Mehrfachbeauftragung

 

Zur Entwicklung des städtebaulichen Konzepts wurden Anfang April 2017 drei Stadtplanerbüros eingeladen, ihren Vorschlag zur Entwicklung der Kasernenflächen zu erarbeiten. 

Sie hatten die Aufgabe, ein in die Stadt integriertes Quartier mit höchsten Ansprüchen an Klimaschutz und -anpassung zu entwerfen, welches viele Grünflächen und ein breit gefächertes Wohnangebot bietet – und das alles bei gehobenem städtebaulichem Anspruch. Wir wollen aus der Pioneer-Kaserne ein Stadtviertel in naturnaher Umgebung mit einem hohen Anteil an Grünflächen und einem breitgefächerten Wohnangebot entstehen lassen.

Alle drei Stadtplaner entwarfen großartige Nutzungs- und Bebauungskonzepte, die die besondere Form des Geländes berücksichtigen und am Standort ein neues Stadtviertel lebendig werden lassen. 

Die Entwürfe wurden in mehreren Bewertungsrunden von Fachleuten durchleuchtet, Vertreter der Fachstellen in der Stadt Hanau waren ebenso beteiligt wie Experten der Projektgesellschaft.

Den ersten Platz erreichte das städtebauliche Konzept von Albert Speer + Partner. Derzeit wird dieses Konzept in enger Abstimmung mit der Stadt Hanau, den städtischen Gremien und der LEG Hessen-Hanau GmbH weiterentwickelt. Bis Ende des Jahres 2017 wird das Strukturkonzept finalisiert, das Grundlage für die Entwicklung des Bebauungsplans sein wird.

AS+P Albert Speer + Partner GmbH aus Frankfurt am Main

Der Entwurf greift die vorhandene Struktur auf und entwickelt behutsam ein neues Quartier, in dem viele vorhandene Elemente weiter bestehen. Die Planer wollen den prägenden Baumbestand als grüne Adern im Quartier erhalten und haben zusätzlich ein Freiraumkonzept für eine vernetzte und vielfältige Grünraumversorgung entworfen. Einzeldenkmäler werden in die Bebauungsstruktur eingebunden, wie etwa die prägenden Verwaltungsgebäude, die sogenannten „Zehn Brüder“ im inneren Fächerkreis: Sie werden durch eine gemischte Wohn- und Gewerbenutzung belebt. Um das Quartier für bis zu 5.000 Menschen individuell und lebendig zu machen, bietet der Entwurf viele Einzelhaustypen. Die Anordnung der Bauformen ist bewusst aufgelockert und kann so in allen Quartiersbereichen und Prozessschritten einen breiten Wohnungsmix gewährleisten. 

Der Entwurf zeichnet sich durch einen hohen Grad der Durcharbeitung aus und überzeugte mit seinem städtebaulichen Gesamtkonzept sowie mit einer Vielzahl an nachvollziehbaren Detaillösungen.

Planquadrat – Architekten und Stadtplaner PartG mbB  aus Darmstadt

Der Entwurf von Planquadrat teilt das Viertel in drei Quartiere, umgeben von grünen Flächen. Dafür wurde die bis dato vorhandene „grüne Mitte“ aufgegeben. Die bestehende Fächerstruktur wird bewusst durch die Anordnung neuer Gebäude aufgelockert, wobei der Eingangsbereich mit Frei- und Wasserflächen erhalten wird. Es besteht eine gute Mischung von Bestands- und neuen Solitärgebäuden. Insbesondere die Nähe vieler Gebäude sowie zweier Einzeldenkmäler zum Grünraum konnte überzeugen. Durch den hohen Grünanteil überwiegt jedoch der Geschosswohnungsbau deutlich und verfehlt dadurch die Durchmischung mit verschiedenen Haustypen, um das Quartier aufzulockern und verschiedene Nutzertypen anzusprechen. Auch sind einzelne Bereiche der Wohnbebauung im Fächer nicht ausreichend erschlossen. 

Das städtebauliche Konzept wurde positiv in seiner Offenheit für den weiteren Prozess bewertet. Teilweise wäre eine eindeutigere Ausformulierung wünschenswert gewesen.

bb22 architekten + stadtplaner GbR aus Frankfurt am Main

Parallel zu den sogenannten „Zehn Brüdern“, die in einer Reihe die Mitte des Fächers markieren, sieht der Entwurf eine zweite Reihe von Wohngebäuden vor sowie am äußeren Saum des Gebiets drei weitere Wohnhausreihen. Das Freiraumkonzept plant einen breiten grünen Saum und eine großzügige grüne Mitte ein, die von angrenzendem Verkehr freigehalten wird. 

Die Einzeldenkmäler sind größtenteils in die bauliche Struktur integriert, jedoch erscheint die Bebauung teilweise zu dicht und die Bauformen nicht divers genug. Die vorgesehene Verkehrsführung in das Quartier hält zwar den Eingangsbereich von Verkehr frei – eine Busführung durch das Quartier und in den inneren Bereich ist jedoch nicht möglich. Eine zeitnahe Nutzung der Gebäude im sogenannten Triangle im südlichen Bereich wurde zugunsten einer Neubebauung aufgegeben. 

Der Entwurf punktete mit seiner städtebaulichen Idee und vielfältigen Nutzungsoptionen, konnte jedoch im Detail nicht vollends überzeugen.

 

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