VON DER PIONEER-KASERNE
VON DER
PIONEER-KASERNE
ZUM PIONEER PARK HANAU
ZUM
PIONEER PARK
HANAU
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1937 - 1938
Bau des Kasernengeländes
1937 - 1938
Bau des Kasernengeländes

1937/1938: Die Kaserne wurde vom Heeresbauamt Frankfurt für das Eisenbahn-Pionier-Regiment Nr. 68 erbaut. Notwendig wurde ein neuer Kasernenbau, da die moderne Eisenbahn-Pionier-Truppe voll motorisiert war, und die alten Kasernen im Hanauer Stadtteil Lamboy zu klein und deshalb nicht mehr genutzt werden konnten. Die Bauleitplanung hatte Regierungsbaurat Biller vom Heeresbauamt I in Frankfurt inne. Örtlicher Bauleiter war Diplom-Ingenieur Kipping von der Heeres-Standort-Verwaltung Hanau, Bauherr war Oberst Hans von Donat, Kommandeur des Eisenbahn-Pionier-Regiments Nr. 68. Bis heute charakteristisch für die Kaserne ist die halbkreisförmige Anordnung der Gebäude, die mit ihren 16 eingeschossigen Hallen und den zwei Bataillons- und acht Mannschaftsgebäuden die Form eines Fächers bildet.

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1938
Bau des Kasinos
1938
Bau des Kasinos

Im ersten Bauabschnitt wurde auch das ehemalige Wirtschaftsgebäude mit der Mannschaftskantine errichtet. Dieses stellt neben der US-Kirche von 1949 und dem Pförtnerhaus (um 1953), das am Eingang zum technischen Bereich steht, ein Einzelkulturdenkmal aus geschichtlichen Gründen im Sinne des Hessischen Denkmalschutzgesetzes dar. Der ein- bzw. zweigeschossige Massivbau unter Satteldach auf H-förmigem Grundriss wurde als aufwändigstes Gebäude der Anlage als Mannschaftskantinegenutzt. Beeindruckend ist die zentrale Halle mit zwei flankierenden, analog zu den Mannschaftsgebäuden errichteten Flügelbauten und vorgelagerten Terrassen. Auch die Amerikaner nutzten das Gebäude als Kasino. Dabei wurde die Kantine aus Zollgründen bis 1998 zweigeteilt: die große Halle für die Amerikaner, ein kleinerer Teil im Seitenflügel für die deutschen Zivilisten, die auf dem Gelände arbeiteten. In der Spitze wurden im Kasino bis zu 6000 Essen pro Tag ausgegeben.

1939
Bezug durch Wehrmacht

Am 28. Juni 1939 wurde Richtfest gefeiert. Am 1. Oktober 1939 übernahm ein Vorauskommando des Eisenbahn-Pionier-Regiments Nr. 68 mir rund 100 Mann die Liegenschaft und bereitete den Einzug des Regiments vor. Neben den 16 eingeschossigen Hallen, die in Stahlbetonrahmenbauweise erbaut und als Werkstätten, Werkzeughallen oder Garagen genutzt wurden, standen insgesamt zehn Gebäude entlang der Aschaffenburger Straße zur Verfügung, die heute als die „10 Brüder“ bezeichnet werden, von denen bis heute fünf rechts und fünf links des Haupttors zu finden sind. Im Zentrum stand mittig das Stabsgebäude. In den Bomben-Nächten des Jahres 1945 wurde es mehrfach schwer getroffen und nicht wieder aufgebaut.

1945
Übernahme durch US-Army

Am 28. März übernahm die US-Armee die Kaserne, ehe sie am 21. April alle Hanauer Kasernen beschlagnahmte. Mehrere Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg hatten auf der Kaserne erhebliche Schäden angerichtet – das Stabsgebäude und einige Nebengebäude wurden total zerstört, zwei der „10 Brüder“ wurden schwer getroffen und von den Amerikanern nur unvollständig wieder aufgebaut. Die Liegenschaft diente der größten US-Pionier-Einheit, der „130th Engineer Brigade“, als Heimatstandort. Dabei handelte es sich um eine Versuchsbrigade, die in Hanau sämtliche neu entwickelten Pionier-Fahrzeuge und Gerätschaften vor der Einführung in der Truppe zunächst ausgiebig erprobte. In den Anfangsjahren wurde auch die geheimnisumwitterte Atom-Kanone (M65 Haubitze mit Spitznamen „Atomic Annie“) in der Pioneer-Kaserne stationiert. Die Atomkanone war ein schweres nuklearfähiges Artilleriegeschütz vom Kaliber 280mm aus US-amerikanischer Produktion.

1949
Bau der Kirche

Nach dem Bezug und dem Wiederaufbau fügte die US-Armee auch neue Gebäude hinzu – zum Beispiel eine Kirche, die „Pioneer Chapel“. Sie wurde auf den Grundmauern eines wohl nicht ganz fertiggestellten Vorgängerbaus errichtet. In der „Pioneer Chapel“ fanden regelmäßig Gottesdienste für alle christlichen Glaubensrichtungen statt. Trau- und Taufgottesdienste wurden dort ebenso abgehalten wie Erinnerungsfeiern (Memorial services) für in Hanau stationierte Soldaten, die im Einsatz in den Krisengebieten gefallen waren.

Die „Pioneer Chapel“ hat zwar wenig gestalterischen Wert, ist aber als wichtiger Bestandteil der Kasernen-Geschichte und zur Erinnerung an die Zeit der Amerikaner eines der drei Einzelkulturdenkmäler auf dem Areal.

1950er Jahre
Bau des Triangle Housing

Mit der wachsenden Zahl der in Hanau stationierten US-Soldaten wuchs auch der Bedarf an Wohnraum. In den 50er-Jahren wurde die Pioneer-Kaserne deshalb um eine „Housing-Area“ erweitert. Auf einer Fläche von rund neun Hektar entstand das so genannte „Triangle-Housing“, das direkt an die Kaserne angrenzt. Dort wurden insgesamt 18 drei- bis viergeschossige Wohnblocks errichtet, die 314 Wohneinheiten umfassten. Die Wohnblocks entstanden in lockerer Bebauung, die viel Freifläche für Spiel- und Grillplätze bot. Gegenüber der Kaserne, auf der anderen Seite der Aschaffenburger Straße, entstand später noch das dichter bebaute „Sportsfield-Housing“. Auf diesem Gelände wurden 22 Wohnblocks errichtet.

1953
Bau des Pförtnerhauses

Im westlichen Bereich der äußeren Ringstraße entstand 1953 nahe des Kasinos ein besonderes Wachhäuschen. Dieses kleine, filigrane Bauwerk weist typische Merkmale der 1950er-Jahre-Architektur auf (Ellipsenform, Rechteckverglasung, Dachüberstand etc.) und ist heute deshalb ebenfalls aus geschichtlichen Gründen geschützt. Es steht neben dem Kasino und der Kirche unter Einzeldenkmalschutz. Der Denkmalschutz hat zudem die Gesamtanlage wegen ihrer markanten Form „als aussagekräftiges Zeugnis nationalsozialistischer Architektur“ eingestuft, gemäß §2 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes steht sie deshalb unter Ensembleschutz.

1972
Umbenennung von
Straßen und Gebäuden

In diesem Jahr schloss die „130th Engineer-Brigade“ einen Paten- und Freundschaftsvertrag mit der Kameradschaft ehemaliger Eisenbahnpioniere (Vorsitzender Generalleutnant a.D. Hans von Donat) ab. Im Zuge dieser Vereinbarung entstand das Eisenbahnpionier-Ehrenmal vor dem Hauptquartier der „130th Engineer-Brigade“. Außerdem wurden Straßen und Gebäudenamen auf Vorschlag der Kameradschaft von den Amerikanern neu vergeben und erhielten sogar deutsche Namen. Das „Building No. 6“, einer der „10 Brüder“, wurde das „General-von-Donat-Haus“ (Hauptquartier der „130th Engineer-Brigade“). Das „Building No. 5“ wurde das „General-Walter-Haus“; Walter hatte die Eisenbahntruppe 1910 nach Hanau geführt.
Die alles verbindende Ringstraße erhielt den Namen „General-Will-Ring“ (Will war der ranghöchste Pionier-General der deutschen Wehrmacht).

11. September 2001
Restriktivere
Sicherheitsmaßnahmen

Die Terroranschläge in den USA veränderten das Leben für US-Soldaten, Zivilangestellte und ihre Familien weltweit dramatisch. Auch in der Pioneer-Kaserne wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und der Zugang eingeschränkt - von der Bevölkerung wurde das als Abschottung empfunden. Garnisonsinterne Dienstleistungen wurde verstärkt nachgefragt, das Angebot auch auf der Pioneer-Kaserne ausgebaut. Alle Kasernen in Hanau-Wolfgang waren zudem durch Tunnel oder Fußgängerbrücken miteinander verbunden, sodass niemand mehr US-Gelände verlassen musste, wenn er nicht wollte.

2005
Gateway to Europe

Nach der Auflösung der Rhein-Main-Airbase in Frankfurt im Jahr 2005 wurde die „64th Replacement Company“ mit rund 80 Soldaten und deren Familien in die Pioneer-Kaserne verlegt. Damit war Hanau für die Soldaten der amerikanischen Armee und ihre Familien das „Gateway to Europe“. Hier wurden sie begrüßt und informiert, wo genau sie in den kommenden zwei bis drei Jahren stationiert sein würden. Im „Welcome-Center“ gab es einen Kinderspielraum mit überdachtem Spielplatz, einen Haustierraum, eine Lounge mit großem Fernseher sowie einen Gepäckraum. Die Amerikaner, die über Nacht bleiben oder mehrere Tage auf den Weitertransfer warten mussten, wurden in den auf dem Areal eingerichteten Hotels untergebracht.

September 2008
Abzug US-Army

Im August wurde die US-Fahne auf der Pioneer-Kaserne eingeholt, die Streitkräfte der USA übergaben die Kaserne an die Bundesrepublik Deutschland. Der große Fahnenmast wurde nach Fort Irvin verschifft – zu der Ingenieur-Einheit, die ihn in den 80er Jahren in Fulda aufgestellt hatte. Die Liegenschaft wurde wie alle anderen ehemaligen amerikanischen Flächen in Hanau anschließend von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet und vermarktet.

August 2016: Die städtische BAUprojekt Hanau GmbH erwirbt das Gelände nach intensiven Verhandlungen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Zum ersten Mal tritt die Stadt Hanau damit bei der Konversion der ehemaligen Militärflächen als Käufer der Gesamtfläche auf. Die Suche nach einem Partner läuft an, denn die Stadt will das Gelände nicht selber entwickeln.

Dezember 2016: Der Partner für Hanaus größtes und ehrgeizigstes Wohnungsbauprojekt im Rahmen der Konversionsentwicklung ist gefunden. Die städtische BAUprojekt Hanau GmbH wird das Areal der Pioneer-Kaserne gemeinsam mit der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG und der LEG Entwicklung GmbH, zwei Unternehmen der DSK | BIG Gruppe, entwickeln. Die in Wiesbaden und in Kiel ansässige Unternehmensgruppe konnte sich in der europaweiten Ausschreibung behaupten und im abschließenden Bewertungs- und Auswahlverfahren klar durchsetzen. „Das Angebot der DSK | BIG Gruppe erfüllt zu nahezu 100 Prozent unserer durchaus anspruchsvollen Anforderungen in wirtschaftlicher und vertraglicher Hinsicht“, kommentiert Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

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Geschichte
1937
1938
1939
1945
1949
1950
1953
1972
2001
2005
2008
2016
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Von der Pioneer Kaserne zum Pioneer Park Hanau

 

1937/1938: Die Kaserne wurde vom Heeresbauamt Frankfurt für das Eisenbahn-Pionier-Regiment Nr. 68 erbaut.  Notwendig wurde ein neuer Kasernenbau, da die moderne Eisenbahn-Pionier-Truppe voll motorisiert war, und die alten Kasernen im Hanauer Stadtteil Lamboy zu klein und deshalb nicht mehr genutzt werden konnten. Die Bauleitplanung hatte Regierungsbaurat Biller vom Heeresbauamt  I in Frankfurt inne. Örtlicher Bauleiter war Diplom-Ingenieur Kipping von der Heeres-Standort-Verwaltung Hanau, Bauherr war Oberst Hans von Donat, Kommandeur des Eisenbahn-Pionier-Regiments Nr. 68. Bis heute charakteristisch für die Kaserne ist die halbkreisförmige Anordnung der Gebäude, die mit ihren 16 eingeschossigen Hallen und den  zwei Bataillons- und acht Mannschaftsgebäuden die Form eines Fächers bildet. 


1938: Im ersten Bauabschnitt wurde auch das markante Kasino errichtet, das heute als eines von drei Gebäuden auf dem Areal unter Einzelkulturdenkmalschutz steht. Der ein- bzw. zweigeschossige Massivbau unter Satteldach auf H-förmigem Grundriss wurde als aufwändigstes Gebäude der Anlage als Mannschaftskasino genutzt. Beeindruckend ist die zentrale Halle mit zwei flankierenden, analog zu den Mannschaftsgebäuden errichteten Flügelbauten und vorgelagerten Terrassen. Auch die Amerikaner nutzten das Gebäude später als Kasino. Dabei wurde die Kantine aus Zollgründen bis 1998 zweigeteilt: die große Halle für die Amerikaner, ein kleinerer Teil im Seitenflügel für die deutschen Zivilisten, die auf dem Gelände arbeiteten. Zu Spitzenzeiten wurden im Kasino bis zu 6.000 Essen pro Tag ausgegeben. 


1939: Am 28. Juni 1939 wurde Richtfest gefeiert. Am 1. Oktober 1939 übernahm ein Vorauskommando des Eisenbahn-Pionier-Regiments Nr. 68 mir rund 100 Mann die Liegenschaft und bereitete den Einzug des Regiments vor. Neben den 16 eingeschossigen Hallen, die in Stahlbetonrahmenbauweise erbaut und als Werkstätten, Werkzeughallen oder Garagen genutzt wurden, standen insgesamt zehn Gebäude entlang der Aschaffenburger Straße zur Verfügung, die heute als die „10 Brüder“ bezeichnet werden, von denen bis heute fünf rechts und fünf links des Haupttors zu finden sind. Im Zentrum stand mittig das Stabsgebäude. In den Bomben-Nächten des Jahres 1945 wurde es mehrfach schwer getroffen und nicht wieder aufgebaut.


1940: Am 28. Februar 1940 marschierte das Ersatz-Bataillon des Eisenbahn-Pionier-Regiments Nr.  68 mit rund 1000 Pionieren in Hanau ein und übernahm die Kaserne. Kommandeur des Ersatz-Bataillons war Major Engelbrecht. Am 1. April 1940 wurde das Regiment aus Traditionsgründen zum Eisenbahn-Pionier-Regiment 3 umbenannt. Von der ursprünglichen Benennung der Liegenschaft in „General-Walter-Kaserne“, benannt nach dem Kommandeur des Königlichen Eisenbahn-Regiments Nr. 3, Oberst Hans Walter, welcher die Eisenbahntruppe 1910 nach Hanau geführt hatte, nahm man infolge des bereits ausgebrochenen Zweiten Weltkriegs Abstand. Im Volksmund entstand der Name „Pionier-Kaserne“, welchen die Streitkräfte der US-Army nach 1945 übernommen haben und der bis heute seine Gültigkeit besitzt. Das Ersatzbataillon hatte nun fortlaufend neue Bau-Kompanien und Sondereinheiten aufzustellen. Es wurden ausgedehnte, reichhaltige Eisenbahnpionier-Parks mit Schuppen, Gleisanschlüssen, Sonderbahnhöfen und Laderampen in Hanau sowohl innerhalb der Kaserne, als auch an Main und Kinzig angelegt. Am 10. April 1943 wurde das Bataillon in Eisenbahn-Pionier-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 3 umbenannt.


1945: Am 28. März übernahm die US-Armee die Kaserne, ehe sie am 21. April alle Hanauer Kasernen beschlagnahmte. Mehrere Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg hatten auf der Kaserne erhebliche Schäden angerichtet – das Stabsgebäude und einige Nebengebäude wurden total zerstört, zwei der „10 Brüder“ wurden schwer getroffen und von den Amerikanern nur unvollständig wieder aufgebaut. Die Liegenschaft diente der größten US-Pionier-Einheit, der „130th Engineer Brigade“, als Heimatstandort. Dabei handelte es sich um eine Versuchsbrigade, die in  Hanau sämtliche neu entwickelten Pionier-Fahrzeuge und Gerätschaften vor der Einführung in der Truppe zunächst ausgiebig erprobte. In den Anfangsjahren wurde auch die geheimnisumwitterte Atom-Kanone (M65 Haubitze mit Spitznamen „Atomic Annie“) in der Pioneer-Kaserne stationiert. Die Atomkanone war ein schweres nuklearfähiges Artilleriegeschütz vom Kaliber 280mm aus US-amerikanischer Produktion.


1949: Nach dem Bezug und dem Wiederaufbau fügte die US-Armee auch neue Gebäude hinzu – zum Beispiel eine Kirche, die „Pioneer Chapel“. Sie wurde auf den Grundmauern eines wohl nicht ganz fertiggestellten Vorgängerbaus errichtet. In der „Pioneer Chapel“ fanden regelmäßig Gottesdienste für alle christlichen Glaubensrichtungen statt. Trau- und Taufgottesdienste wurden dort ebenso abgehalten wie Erinnerungsfeiern (Memorial services) für  in Hanau stationierte Soldaten, die im Einsatz in den Krisengebieten gefallen waren.  Die „Pioneer Chapel“ war die einzige amerikanische Kirche in Hanau.  Sie hat zwar wenig gestalterischen Wert, ist aber als wichtiger Bestandteil der Kasernen-Geschichte und zur Erinnerung an die Zeit der Amerikaner eines der drei Einzelkulturdenkmäler auf dem Areal.


1950er Jahre: Mit der wachsenden Zahl der in Hanau stationierten US-Soldaten wuchs auch der Bedarf an  Wohnraum. In den 50er-Jahren wurde die Pioneer-Kaserne deshalb um eine „Housing-Area“ erweitert. Auf einer Fläche von rund neun Hektar entstand das so genannte „Triangle-Housing“, das direkt an die Kaserne angrenzt. Dort wurden insgesamt 18 drei- bis viergeschossige Wohnblocks errichtet, die 314 Wohneinheiten umfassten. Die Wohnblocks entstanden in lockerer Bebauung, die viel Freifläche für Spiel- und Grillplätze bot. Gegenüber der Kaserne, auf der anderen Seite der Aschaffenburger Straße, entstand später noch das dichter bebaute „Sportsfield-Housing“. Auf diesem Gelände wurden 22 Wohnblocks errichtet.  


1953: Im westlichen Bereich der äußeren Ringstraße entstand 1953 nahe des Kasinos ein besonderes Wachhäuschen. Dieses kleine, filigrane Bauwerk weist typische Merkmale der 1950er-Jahre-Architektur auf (Ellipsenform, Rechteckverglasung, Dachüberstand etc.) und ist heute deshalb ebenfalls aus geschichtlichen Gründen geschützt. Es steht neben dem Kasino und der Kirche unter Einzeldenkmalschutz. Der Denkmalschutz hat zudem die Gesamtanlage wegen ihrer markanten Form „als aussagekräftiges Zeugnis nationalsozialistischer Architektur“ eingestuft, gemäß §2 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes steht sie deshalb unter Ensembleschutz.


1972: In diesem Jahr schloss die „130th Engineer-Brigade“ einen Paten- und Freundschaftsvertrag mit der Kameradschaft ehemaliger Eisenbahnpioniere (Vorsitzender Generalleutnant a.D. Hans von Donat) ab. Im Zuge dieser Vereinbarung entstand das Eisenbahnpionier-Ehrenmal vor dem Hauptquartier der „130th Engineer-Brigade“. Außerdem wurden Straßen und Gebäudenamen  auf Vorschlag der Kameradschaft von den Amerikanern neu vergeben und erhielten sogar deutsche Namen. Das „Building No. 6“, einer der „10 Brüder“, wurde das „General-von-Donat-Haus“ (Hauptquartier der „130th Engineer-Brigade“). Das „Building No. 5“ wurde das „General-Walter-Haus“; Walter hatte die Eisenbahntruppe 1910 nach Hanau geführt. Die alles verbindende Ringstraße erhielt den Namen „General-Will-Ring“ (Will war der ranghöchste Pionier-General der deutschen Wehrmacht). 


1980er Jahre: In den 80er Jahren ist Hanau eine der größten Garnisonen Europas der US-Armee und die größte in Deutschland. Die Militärgemeinde Hanau setzte sich aus insgesamt 17 Kasernen zusammen, darunter auch Standorte in Büdingen, Erlensee und Gelnhausen. In den Hochzeiten wurden hier rund 45.000 Menschen (16.000 Soldaten, Familienangehörige und zivile Angestellte) untergebracht – eine Art „Klein-Amerika“. In der Pioneer-Kaserne entstanden Sportstätten, die Poststelle, Bücherei, Kindergärten und andere Einrichtungen.


1990er Jahre: Nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges wurde Personal abgebaut,  viele Einheiten wurden abgezogen und verlegt. Die Bewachung des „Fulda Gap“ (mögliche Schneise für den Einmarsch des russischen Militärs) hatte keine Priorität mehr. Als die Standorte in Fulda Anfang der 90er Jahre geschlossen wurden, musste auch ein neuer Standort für Europas höchsten Fahnenmast gefunden werden. Der 50 Meter hohe Mast zog nach Hanau um, wo er auf dem Paradefeld der Pioneer-Kaserne wieder aufgestellt wurde.


11. September 2001: Die Terroranschläge in den USA haben das Leben für US-Soldaten, Zivilangestellte und ihre Familien weltweit dramatisch verändert. Auch für die Pioneer-Kaserne waren verstärkte Sicherheitsmaßnahmen und ein eingeschränkter Zugang die Folge – von der Bevölkerung wurde das oft als Abschottung empfunden. Garnisonsinterne Dienstleistungen wurde verstärkt nachgefragt, das Angebot auch auf der Pioneer-Kaserne ausgebaut. Die Kasernen in Hanau-Wolfgang waren zudem durch Tunnel oder Fußgängerbrücken miteinander verbunden, sodass niemand mehr US-Gelände verlassen musste, wenn er nicht wollte.


2005: Nach der Auflösung der Rhein-Main-Airbase in Frankfurt im Jahr 2005 wurde die „64th Replacement Company“ mit rund 80 Soldaten und deren Familien in die Pioneer-Kaserne verlegt. Damit war Hanau für die Soldaten der amerikanischen Armee und ihre Familien das „Gateway to Europe“. Hier wurden sie begrüßt, und hier erfuhren sie, wo genau sie in den kommenden zwei bis drei Jahren stationiert sein werden. Im „Welcome-Center“ gab es einen Kinderspielraum mit überdachtem Spielplatz, einen Haustierraum, eine Lounge mit großem TV-Bildschirm und einen Gepäckraum. Die Amerikaner, die über Nacht bleiben oder mehrere Tage auf den Weitertransfer warten mussten, wurden in den auf dem Areal eingerichteten Hotels untergebracht.


August 2008: Im August wurde die US-Fahne auf der Pioneer-Kaserne eingeholt, die Streitkräfte der USA übergaben die Kaserne an die Bundesrepublik Deutschland. Der große Fahnenmast wurde nach Fort Irvin verschifft –  zurück zu der Ingenieur-Einheit, die ihn in den 80er Jahren in Fulda aufgestellt hatte. Die Liegenschaft wurde wie alle anderen ehemaligen amerikanischen Flächen in Hanau anschließend von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet und vermarktet.


2015: Die Stadt Hanau bewirbt sich mit dem Beitrag „Klima-Pionier-Quartier“ um Aufnahme in das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau in Hessen“. Beim rund 200 Hektar großen Fördergebiet steht die Pioneer-Kaserne im Mittelpunkt, es umfasst aber auch die angrenzenden Gebiete – von der Bulau im Norden bis hin zum Dunlop-Areal im Süden. 2016 wird das Projekt aufgenommen. Im Rahmen eines „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts“ (ISEK) sollen nun unterschiedliche Maßnahmen gebündelt werden, die von Bund oder Land in den nächsten Jahren finanziell gefördert werden können.


August 2016: Die städtische BAUprojekt Hanau GmbH erwirbt das Gelände nach intensiven Verhandlungen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Zum ersten Mal tritt die Stadt Hanau damit bei der Konversion der ehemaligen Militärflächen als Käufer der Gesamtfläche auf. Die Suche nach einem Partner läuft an, denn die Stadt will das Gelände nicht selber entwickeln.


Dezember 2016: Der Partner für Hanaus größtes und ehrgeizigstes Wohnungsbauprojekt im Rahmen der Konversionsentwicklung ist gefunden. Die städtische BAUprojekt Hanau GmbH wird das Areal der Pioneer-Kaserne gemeinsam mit der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG und LEG Entwicklung GmbH, zwei Unternehmen der DSK | BIG Gruppe, entwickeln.  Die in Wiesbaden und in Kiel ansässige Unternehmensgruppe konnte sich in der europaweiten Ausschreibung behaupten und im abschließenden Bewertungs- und Auswahlverfahren klar durchsetzen. „Das Angebot der DSK erfüllt zu nahezu 100 Prozent unsere durchaus anspruchsvollen Anforderungen in wirtschaftlicher und vertraglicher Hinsicht“, kommentiert Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky.


April 2017: Mit der notariellen Unterzeichnung aller Verträge ist die „LEG Hessen-Hanau“ handlungsfähig. An der neugegründeten Gesellschaft sind die DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG und die LEG Entwicklung GmbH mit 90 Prozent und die städtische BAUprojekt Hanau GmbH mit 10 Prozent beteiligt. Die Partner haben sich trotz unterschiedlicher Unternehmensanteile auf eine gleichberechtigte Stimmverteilung verständigt. Ein innovatives Vorgehen, das sicherstellt, dass alle Entscheidungen in beiderseitigem Einverständnis gefällt werden. Einer der ersten Beschlüsse der neuen Gesellschaft ist die Beauftragung mehrerer Planungsbüros zur Erstellung eines städtebaulichen Konzepts.


Juli 2017: Das Architekturbüro AS+P Albert Speer + Partner setzt sich bei der Mehrfachbeauftragung durch. Es erhält den Auftrag, das vorgelegte städtebauliche Konzept in Abstimmung mit der Stadt Hanau, den städtischen Gremien und der LEG Hessen-Hanau weiterzuentwickeln. Es soll die Grundlage für die Aufstellung des Bebauungsplans sein. Damit wird Anfang 2018 gerechnet. Für das Planungsbüro stellt das Areal „eine einzigartige Ressource im Rhein-Main-Gebiet dar“, so Dr. Michael Denkel, Mitglied der Geschäftsleitung von Albert Speer + Partner.

 

(Entstanden unter Mitwirkung von Jens Arndt und Martin Hoppe;
Literatur: Denkmaltopografie Hanau, Wiesbaden 2005)

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